Dieses Jahr schweigt dat Trömmelchen

Seit 1986 spielt der Musikverein Heimat-Echo aus Steckenborn für die größte und älteste Garde der Stadt Aachen, die Oecher Penn. Anfangs nur für die drei tollen Tage gebucht, begleiten sie heute die Oecher Penn nicht nur während der gesamten Karnevalssession, sondern auch zu diversen Auftritten im Jahreskalender. Im letzten Jahr wurde während der laufenden Karnevalssession bekannt, dass auf einer Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg ein Corona Fall aufgetreten sei. Die Session konnte zum Glück komplett zu Ende gespielt werden, bevor Mitte März die erste Ausgangs- und Kontaktsperre verhängt wurde. Trotz Corona begann man wie immer Mitte des Jahres 2020 mit den Vorbereitungen auf die neue Session. Neue Uniformen wurden angepasst, Musikstücke arrangiert und als Bühnenprogramm zusammengestellt. Im Oktober wurde der neue Marketendertanz mit dem Tanzpaar einstudiert und auf CD aufgenommen. Bestens vorbereitet hofften die Musikanten bis zum Schluss, in der neuen Session aufspielen zu können. 

Der Karneval setzt sich im Rheinland aus dem Saal- und Straßenkarneval zusammen. Viele fragen sich: Wie sieht eine Session für die Musikanten eigentlich aus? Hier nun ein Einblick in eine komplette Session. 

In der ersten Woche des neuen Jahres trifft man sich mit den Gardisten zum finalen Training der Bühnenshow und der Marschbefehl wird ausgeteilt. Ab dem 6. Januar bis einschließlich Rosenmontag schlüpfen die Heimat-Echo Musikanten in die schmucke, maßgeschneiderte Penn-Uniform. Die Auftritte finden meist von Freitag bis Sonntag statt. Vor jedem Auftritt trifft man sich im Vereinsheim an der Grundschule in Steckenborn, wo ein moderner Reisebus zur Abfahrt bereitsteht. Diverse Nahrungsmittel werden geladen und auch einige Kaltgetränke dürfen natürlich nicht fehlen. Die Jugendlichen wählen die Musik aus und mit großen Bluetooth-Lautsprechern sorgen sie bereits vor dem Tour Start für beste Stimmung. Gut ausgestattet und mit voller Mannstärke startet der „Partybus“ dann in Richtung Aachen, wo bereits die Penn-Gardisten mit zwei weiteren Bussen warten. Die Reise führt den Tross – mit bis zu 140 Mann – in viele karnevalistische Hochburgen, wie Köln, Eschweiler, Düsseldorf, Mönchengladbach und natürlich Aachen, um nur einige wenige zu nennen. Bis zu fünf Auftritte werden pro Abend absolviert. Das Bühnenprogramm dauert ca. 25 min. und wird überwiegend live gespielt. Insbesondere der Marketendertanz muss stets in der eingeübten Taktung/Geschwindigkeit gespielt werden, damit die Choreografie für das Tanzpaar passt. Da heißt es für die Musikanten bis zum Schluss fit, konzentriert und tonsicher dabei zu sein. 

Während der Session trifft man auf bekannte karnevalistische Größen wie die Höhner, Fred van Halen und Aki, Manni der Rocker, Guido Kanz, Bernd Stelter, Brings und natürlich die Prinzenpaare oder Dreigestirne. Alle sind gut drauf und man fühlt sich wie in einer großen Familie. 

Gutes Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen und fördert die Motivation der Truppe. Daher lädt die Penn-Kommandantur die Aktiven mehrmals während der Session zu einem Mannschaftsbiwak ein, wo man kulinarisch verwöhnt wird. 

Es ist einfach eine „superjeilezick“.

Mit Eintritt der Karnevalswoche startet der Straßenkarneval. Fettdonnerstag haben die Musikanten spielfrei und sie genießen den Karnevalsauftakt im proppevollen Penn Zelt. Der Eintritt ist für die aktive Truppe frei und auch im Zelt haben die Musikanten freien Zugang zum VIP Bereich mit gesondertem Ausschank und eigenem Toilettenbereich. 

Samstagmorgen wird der Kommandant am Marschiertor abgeholt und als erste Wegzehrung reichen die Penn-Frauen Käse, Puttes und heißen Kaffee. Gut gestärkt zieht die Penn in voller Mannstärke zu einigen Sponsoren, die zu einem „Stelldichein“ eingeladen haben. Begleitet von den Musikanten wird der Marketendertanz dargeboten und einige Ständchen werden gespielt. Ein Höhepunkt am Samstag ist sicherlich das Musiktreffen im Aquis Plaza. Hier treffen sich alle Musikanten der Garden, wo sie sich mit einem zweistündigen Karnevalskonzert für die Session bedanken. Danach geht es zum großen Penn Zelt, das seit vielen Jahren auf dem Katschof beheimatet ist. Traditionsgemäß werden hier 111 Liter Erbsensuppe an alle Besucher/-innen und die Truppe verteilt, bevor das Bühnenprogramm ein vorletztes Mal aufgeführt wird. Nun tritt man die Heimreise an, um sich ggf. für den großen Penn Ball vorzubereiten, der abends im Eurogress stattfindet.  

Sonntagmorgen startet man in den Heimat-Echo Clown Kostümen zum Kinderkarnevalszug, den man seit vielen Jahren mitgestalten darf. Stets ist man vorne im Zug dabei, denn bereits um 14:00 Uhr steht ein weiterer Auftritt mit der Penn an. Nach dem Zug wechseln die Musikanten schnell die Kostüme gegen die Penn Uniform und der Heimat-Echo Vorstand lädt seine Musikanten zu einem gemeinsamen Mittagessen in ein befreundetes Gasthaus ein. Während des Essens kann man den vorbeiziehenden KiKA Zug genießen und dem Kinderprinzen zujubeln. Gut gestärkt fahren die Musikanten mit dem Bus zum Marchiertor, wo die große Penn Familie bereits auf sie wartet. In Marschformation werden die neuen Rekruten am Bahnhof abgeholt und zur Vereidigung ins Penn Zelt begleitet. Ein letztes Mal wird in dieser Session das Bühnenprogramm aufgeführt. Danach folgt die lustige Rekrutenvereidigung mit musikalischer Gestaltung durch die Heimat-Echo Musikanten. Zum Abschluss zahlt die Penn jedem Musiker einen Wehrsold, der zur Aufnahme von flüssiger Nahrung verwendet werden kann.

Am Rosenmontag heißt es für alle früh aufstehen, denn bereits um 07:00 Uhr startet der Bus zum Stadtwecken in Richtung Aachen. Vom Marschiertor aus zieht die komplette Mannschaft unter Donnerhall zum Kommandantur Frühstück ins Aachener Rathaus. Bei einem reichhaltigen und schmackhaften Sektfrühstück werden Beförderungen ausgesprochen und langgediente Vereinsmitglieder geehrt. Mit Bussen werden die Aktiven zum bevorstehenden Rosenmontagszug gefahren. Pünktlich um 11:11 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung, angeführt von der Stadtgarde Oecher Penn. Den Musikanten bietet sich ein herrliches Bild auf dem Kaiserplatz mit den vielen am Straßenrand wartenden Zuschauern. Es ist jedes Jahr ein tolles Gefühl, vor so vielen Menschen aufspielen zu dürfen und mit dabei zu sein. Ohne große Wartezeiten erreicht man nach ca. 2 Std. den Auflösungsort, wo man nochmals kurz für die Kommandantur und die Fähnriche aufspielt. Die Musiker werden mit ausreichend Süßem beschenkt, bevor man nach einem Glas Sekt am frühen Nachmittag die Heimreise antritt. Im Vereinsheim werden die Musikanten bereits von ihren Familien und Freunden erwartet und gemeinsam lässt man die Session Revue passieren, bevor man zum gemeinsamen Abendessen aufbricht. 

Am Aschermittwoch lädt der Kommandant zum Fischessen ein, womit dann alles für ein Jahr vorbei ist. 

Alle haben sich auf die Session gefreut und man war schon ein wenig traurig, als das endgültige Aus verkündet wurde. Wenn auch der persönliche Kontakt in diesem Jahr überwiegend eingeschränkt oder sogar verboten war, so hielt man über Videokonferenzen oder Telefon stets Kontakt. Aus ehem. Vertragspartnern sind längst Freunde geworden. Dies zeigte sich am vergangenen Samstag einmal mehr, durch einen persönlichen Besuch des Kommandanten der Stadtgarde Oecher Penn, Georg Cosler, und seinem Tormeister, Sebastian Booch, in Steckenborn. Unangekündigt standen beide mit Narrenkappe und Penn Schaal ausgestattet vor der Haustüre des Heimat-Echo Geschäftsführers, Christoph Lennarz. Den Vorsitzenden, Friedhelm Lennarz, erreichte man telefonisch noch bei Arbeiten auf der Obstwiese. Stellvertretend für alle Musiker überreichte Georg Cosler den von allen Aachener Gesellschaften gestalteten Sessionsorden 2021 sowie als kulinarischen Genuss eine Büchse Erbsensuppe. Diese Überraschung zeigt einmal mehr, wie eng verbunden die Stadtgarde Oecher Penn und der Musikverein Heimat-Echo nach 36 Jahren der Zusammenarbeit sind. Sobald die Corona Pandemie wieder ein Treffen beider Vereine zulässt, wurde spontan vereinbart, dass man sich zu einem zünftigen Fest in Steckenborn trifft.        

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